Vor kurzem haben wir einen Ausflug an die französische Grenze unternommen. Genauer gesagt ging es in die selbsternannte Hauptstadt der Weihnacht, oder auch „Capitale de Noël“, wie es in der Landessprache genannt wird. Die Rede ist von Straßburg. Wie unser Besuch dort war, und was wir außerdem hier gemacht haben, erfährst du in diesem Beitrag. Lass dir allerdings gesagt sein, dass die Erwartungshaltung deutlich höher lag, als die Realität.

Inhalt
Fakten zu Straßburg
Bevor wir mit unserer Reiseerzählung starten, gibt es zuerst einmal ein paar Fakten zu Straßburg, um sich ein besseres Bild von dem Ort machen zu können:
- Straßburg liegt im Elsass. Es ist die Hauptstadt der französischen Region Grand Est und liegt direkt an der Grenze zu Deutschland
- In der Stadt selbst leben rund 291.000 Menschen. Die gesamte Metropole umfasst knapp 500.000 Einwohner
- Straßburg ist nicht nur die selbsternannte Hauptstadt der Weihnacht, sie ist zugleich als „Hauptstadt Europas“ bekannt, da hier wichtige EU-Institutionen wie das Europäische Parlament ihren Sitz haben.
- Übrigens ist die historische Altstadt Grande Île seit 1988 UNESCO-Weltkulturerbe
- Kein Wunder, dass die Stadt zu den Top-10-Reisezielen Frankreichs gehört und jährlich über 4 Millionen Touristen anzieht.
- Das Straßburger Münster war durch seinen Turm bis in 19. Jahrhundert das höchste Bauwerk der Welt
- Typische Spezialitäten sind Flammkuchen, Bredele (Weihnachtsplätzchen) und Gewürzglühwein.
- Dass die Stadt deutsche und französische Kultur vereint, zeigt sich nicht nur in der Küche, sondern auch in der Architektur
Anreise
Da die Hotelpreise in der Region gerade in der Weihnachtszeit deutlich ansteigen, lag unser Hotel in Offenburg, auf der deutschen Seite. Hier waren die Zimmer immer noch teuer, aber deutlich preiswerter als in der Umgebung von Straßburg.
Wir reisten also am Tag zuvor mit dem Auto bis nach Offenbach. Von dort kann man entspannt mit dem Zug bis nach Straßburg fahren.
Wer eine Unterkunft etwas außerhalb hat, kann auch mit dem Auto direkt auf den Pendlerparkplatz am Bahnhof in Kehl fahren und dort für 5 Euro pro Person ein Zugticket nach Straßburg kaufen. (Achtung: In der Weihnachtszeit ist dieser Parkplatz sehr voll. Es lohnt sich, früh dort zu sein!)
Am Bahnhof angekommen folgt man einfach den Menschenmassen bis in die Altstadt und schon befindet man sich in der Weihnachtshauptstadt. Soweit doch eigentlich easy, oder?
Noch eine kleine Anmerkung zur Anreise mit dem Auto während der Weihnachtszeit nach Straßburg: Tu es nicht, wenn du dich hier nicht auskennst!
Parkhäuser in der Straßburger Innenstadt sind häufig gesperrt, um das Verkehrsaufkommen in der Weihnachtszeit gering zu halten. Parkt man weiter außerhalb, muss man entweder sehr lange zu Fuß in die Innenstadt laufen oder trotzdem den Bus oder die Straßenbahn nehmen.

Sehenswürdigkeiten und Highlights
Eine Sache vorab: Man erwartet durch das ganze Aufkommen der Stadt in den sozialen Medien vielleicht ein Winterwunderland. An einem vorweihnachtlichen Wochenende ist das jedoch NICHT der Fall. Eher wie ein Besuch in einem Festzelt auf der Münchner Wiesn. Man wird eigentlich nur von den Menschenmassen durch die Stadt geschoben.
Viele der Fachwerkhäuser sind tatsächlich sehr schön weihnachtlich geschmückt. Da ist ein gigantischer Lebkuchenmann oder fliegende Schweine keine Seltenheit.
Wer auf Weihnachtsmärkte steht, wird bestimmt in einer oder mehreren der 300 Buden, die sich quasi über das gesamte Stadtzentrum verteilen, fündig. Egal ob Kunsthandwerk, Weihnachtsschmuck oder kulinarische Köstlichkeiten. Hier ist für jeden etwas geboten. Eine große Ansammlung der Buden befindet sich beispielsweise auf dem Place Kléber. Dort steht auch das weihnachtliche Wahrzeichen der Weihnachtshauptstadt: der größte geschmückte Weihnachtsbaum Europas. Wir haben den 30 Meter hohen Baum gesehen und der ist tatsächlich sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, dass er jedes Jahr für dieses Event extra dort aufgestellt wird.
Etwa fünf Minuten Fußweg vom Place Kléber entfernt steht das berühmte Straßburger Münster. Das Bauwerk ragt über den vielen Verkaufsständen auf und vermittelt dem Platz fast schon einen mittelalterlichen Charme.
Natürlich zieht sich die weihnachtliche Stimmung auch durch die historische Altstadtinsel Grande Île und das romantische Gerberviertel Petite France. Beide Orte besitzen wunderschöne Fachwerkhäuser, enge Gassen und zählen zu beliebten Fotomotiven für Touristen.
Und viel mehr haben wir eigentlich auch nicht geschafft. Wir wurden ja – wie bereits erwähnt – mehr oder weniger durch die Straßen geschoben und waren nach ca. zwei Stunden sowas von platt vom quetschen und schieben, dass wir uns ein Café suchten, in dem wir etwas entspannen konnten. Auf dem Weg entdeckten wir eine kleine Kathedrale mit einem Mini-Weihnachtsmarkt davor, auf dessen Vorplatz etwa zehn Buden standen. Der Ort war ganz schön, um doch etwas entspanntes Weihnachtsmarktfeeling zu bekommen. Hier gab es viel Feinkost wie Trüffelöl und -gewürze, Plätzchen und Holzschnitzereien.
Da die Innenstadt so voll war, liefen wir gute 15-20 Minuten bis wir aus dem Kern-Weihnachtsmarkt der Altstadt draußen waren und fanden eine Café-Boutique mit dem Namen Omnino. Der Besitzer war scheinbar ein Spanier und konnte daher neben Französisch auch noch spanisch (logisch) und sehr gut englisch. Wer schon einmal in Frankreich war, weiß, dass es schwierig ist, einen Franzosen dazu zu bringen, Englisch zu sprechen 😀
Das Café hatte nur wenig Sitzmöglichkeiten, aber der Kaffee und das Gebäck dort waren hervorragend. Wir haben auch ein Gebäckstück, der Spezialität des Hauses bekommen. Eine Art Minikuchen, der in Kaffee getaucht wurde und dadurch eine härtere Kaffeekruste hatte. Hat wunderbar aromatisch geschmeckt und dieses Gebäck gibt es nur an Samstagen. Häufig ist es auch schnell ausverkauft. Das Café Omnino war fast das Beste an unserem Besuch 🙂
















Empfehlungen und Tipps für deinen Besuch
Hier findest du einige Websites, die dir bei deiner Reiseplanung helfen können:
Noel Alsace – „Alles über das Weihnachtliche Straßburg“Das ganze Elsass auf einen Blick“
Visitstraßbourg.fr – Touristenwebsite der Stadt. Auch auf Deutsch 😉
Bonjour-Elsass.de – Deutsche Webseite über Straßburg und Orte / Reiseziele im Elsass bzw. auch Weihnachtsmärkte in der Region
Absoluter Nummer 1 Tipp, wenn du ein Problem mit Menschenmengen hast: nicht in der Adventszeit nach Straßburg gehen. Wir würden die Stadt zwar gerne noch einmal besuchen, aber lieber zu einer Jahreszeit, in der nicht ganz so viel los ist. Wir waren zwar bereits am frühen Mittag in Straßburg und vermutlich ist die Stadt, sobald es dunkel wird, tatsächlich in ein schönes Lichtermeer getaucht, aber dann sollte man entweder unter der Woche kommen oder vielleicht sogar direkt nach dem 24. Dezember. Der Weihnachtsmarkt geht offiziell so lange. Vielleicht ist ja nach dem offiziellen Ende der Adventszeit weniger los.
Falls du denkst, „dann gehe ich einfach auf den Weihnachtsmarkt in Colmar“, müssen wir dich leider enttäuschen. Auch in Colmar ist der vorweihnachtliche Massentourismus bereits angekommen. Wir unterhielten uns am Abend mit einem der Hotelangestellten und dieser gab uns die Empfehlung, einfach in den ca. 15 Minuten Autofahrt entfernten Gengenbacher Weihnachtsmarkt zu besuchen. Dieser soll wirklich schön und deutlich weniger überlaufen sein.
Wir dachten, dass wir dem Tipp am nächsten Tag eine Chance geben sollten, aber zuerst verbrachten wir den Abend auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt:
Offenburg
Tatsächlich war auch der Offenbacher Weihnachtsmarkt ziemlich gut. Er lag etwas versteckt in einer Seitenstraße der Fußgängerzone. Es gab eine künstliche Eisfläche (zum Rollschuhfahren. Zum Schlittschuhlaufen war es nicht kalt genug). Und außerdem Standen um die Eisfläche viele gemütliche Buden mit kleinen Handwerksangeboten und vielen Leckereien. Über belegte Baguettes mit Raclettekäse, Käsespätzle, Churros, Langos, …. gab es wirklich alles was das Herz begehrte. Zudem gab es hier auch eine kleine Bühne, auf der den Abend über Livemusik spielte. So stressig es in Straßburg war, so entspannt war der Tagesabschluss auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt.



Gengenbach
Der Geheimtipp des Hotelangestellten:
Gengenbach ist dafür bekannt, dass sich das Rathaus in der Adventszeit in den größten Adventskalender der Welt verwandelt. Jeden Tag wird eines der (Rathaus-)Fenster geöffnet. Zudem gilt der Ort als eine der schönsten Altstädte Deutschlands.
Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Leider regnete es zwar bei unserer Ankunft, aber der Weihnachtsmarkt war wirklich schön, der Glühwein und das Essen (im Vergleich zu Straßburg) preiswert und der größte Adventskalender der Welt kann sich wirklich sehen lassen. Wir verbrachten hier einige interessante Stunden, wärmten uns danach noch in einem Café auf und fuhren dann doch recht entspannt wieder nach Hause.




Fazit
Vielleicht hast du es schon etwas herausgehört, aber Straßburg war uns einfach zu voll. Der Offenburger Weihnachtsmarkt ist zwar schön, aber nichts, was es in unserer Region so oder so ähnlich nicht auch gibt. Dennoch war er hier ein angenehmer Tagesabschluss. Der Gengenbacher Weihnachtsmarkt mit seiner schönen Altstadt und liebevollen Buden hat uns aber auf jeden Fall überzeugt. Zwar würden wir nicht nur für den Weihnachtsmarkt extra dorthin fahren, aber falls man zufällig in der Gegend ist, lohnt sich ein Besuch mit Sicherheit. Übrigens haben dir dort auch viele Franzosen gesehen bzw. sprechen gehört. Denen war es in Straßburg und Colmar wohl zu viel und sie haben auch ein ruhigeres Weihnachtsmarkterlebnis gesucht 😉
Alles in allem fanden wir die Stadt Straßburg zwar sehr schön, aber würden bei unserem nächsten Besuch definitiv nicht in der Adventszeit dort vorbeischauen. Generell bietet die Gegend um die deutsch-französische Grenze viele schöne Orte und Architektur wie Fachwerkhäuser und kulturelle Entdeckungen, für die sich ein Besuch lohnt.
Daher wird das wohl nicht unser letzter Besuch in dieser Gegend gewesen sein.
Stürzt du dich lieber ins Weihnachtsmarktgetümmel oder hast du eine möglichst entspannte Vorweihnachtszeit? Lass es uns gerne mit einem Kommentar wissen 🙂
Wir wünschen dir frohe Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Julia und Lukas

